Weltenbummler: Er zog los, um die Welt zu sehen…

6500 km durch Neuseeland – Ein Fazit

Nachdem mich mein stets zuverlaessiger 400.000 km-Camper nun fast genau 6500 km durch ganz Neuseeland chauffiert hat und die Zeit sich hier dem Ende neigt, lohnt ein Blick zurueck auf die letzten fuenf Wochen.

Der Versuch des gemeinsamen Reisens kann man – mit Abstrichen – als eher gescheitert betrachten. Ironischerweise habe ich die absoluten Highlights des Landes ohnehin alleine bestaunt. Aus Ruecksicht auf schmerzende Ruecken und schwache Blasen habe ich zwar viel weniger Naechte im Camper verbracht und viel mehr Geld ausgegeben als geplant, aber zumindest die letzten Tage konnte ich – wie sagt es der Kollege so schoen zynisch – meinem "Zigeuner-Dasein" fristen und ein wenig Freiheit geniessen. Ganz ohne naechtlich wackelndes Auto und Ohropacks – befreiend!

Neuseeland ist – ich kann es nicht anders sagen – einfach berauschend. Es gibt hier quasi nichts, was es nicht gibt. Die Natur strotzt nur so vor Vulkanen, rauen Kuesten, Fjorden, Gletschern, Hoehlen und Seen und bietet atemberaubende Eindruecke und Aussichten. Sportlich wird alles geboten. Ski fahren im Winter  – Schnorcheln, Tauchen, Wandern, Bergsteigen, Klettern, Fischen, Surfen, Segeln im Sommer. Die Liste ist unendlich. Nicht zu vergessen, dass Neuseeland ein Paradies fuer Adrenalin-Junkies ist. Ueberall im Land finden sich Moeglichkeiten fuer Bungee-Jumping, Parasailing, Skydiving, Zorbing und allerhand anderen Unfug.

Die Kiwis scheinen sich des Privilegs ihres Landes durchaus bewusst zu sein. Ihre lockere, stets interssierte und tolerante Art begeistert. Sie sind humorvoll, gelassen und ueberaus sportlich. Raucher und korpulente Menschen sieht man hier hoechst selten. Fast immer haben sie einen lockeren Spruch auf den Lippen – nicht selten auf Kosten ihrer 2000 km entfernten Nachbarn. Oft bedanken sie sich gar, dir geholfen zu haben; fast jeder gruesst sich unterwegs mit einem lockeren "How’s it goin’?". Undenkbar im muffeligen Deutschland…

Reisetechnisch waren die Highlights wohl der Abel Tasman Track, der Tongariro Crossing und auf alle Faelle mein erster Fallschirmsprung, an den ich immer noch staendig denken muss. Aber auch die Pancake Rocks und der Truman Walk runter zum Strand, der Lake Tekapo, Mount Cook und Milford Sound waren toll, eigentlich ist fast vermessen, von Highlights zu reden, wenn das ganze Land einen in Staunen versetzt.

"Warum also nicht hier leben?" – wie sich in den letzten Jahren ungefaehr 12.000 – 15.000 Deutsche gefragt und mit der Entscheidung, dauerhaft nach Neuseeland auszuwandern beantwortet haben. Und - ich gebe zu - auch mir ist diese Frage in den letzten Wochen mehrfach durch den Kopf geschossen. Ich habe in den letzten Jahren viele Laender sehen duerfen und bislang waren meine Auswander-Favoriten immer Schweden und Norwegen. Allerdings ist es dort im Winter gern mal saukalt und das Leben ziemlich teuer.  Naja, und es gibt keine Vulkane und nicht so viele Straende… ;) Wenns nur nich so scheissweit von zu Hause weg waere… wer weiss, wer weiss, in ein paar Jahren vielleicht…

Einziger Wehrmutstropfen ist velleicht, dass es hier trotz der offenen Art schwerer ist, Leute kennen zu lernen. Rund 80% der Reisenden sind Paerchen. Das kenn ich aus Thailand anders – da findet man deutlich schneller Anschluss. Und einziger Krtikpunkt am Land selbst sind vielleicht – wie sollte es bei so genialer Natur auch anders sein – die Staedte. Da sind wir Euopaeer ja eine nette Mixtur aus Alt und Neu – Gothik, Barock und Moderne gewohnt. Darueber hinaus gehen wir Deutsche ja gerne feiern (und sind interessanterweise wohl auch ueberregional fuer unser Clubbing und unsere DJs beruehmt). Nun, beides findet man in Neuseeland eher weniger. Ausser in den Staedten Wellington, Auckland, Dunedin und der Zweck-Partystadt Queenstown ist abends eher tote Hose angesagt. Buergersteige hochklappen scheint nach Schafe scheren und Rugby dritte Volkssportart zu sein… Und die Staedte glaenzen eher durch Zweckmaessigkeit als durch architektonische Rafinesse. Auckland – als einzige Millionenstadt – bspw. gefaellt mir jetzt mal eher nicht so. Wellington ist schoen gelegen, aber jetzt auch nicht wirklich huebsch. Am ehesten hat mir dann noch Dunedin gefallen – leider ganz im eher kaelteren Sueden und dadurch ein bischen ab vom Schuss.

Reisetechnisch sind die meisten mit einem gemieteten Camper- oder Sleepervan unterwegs oder haben sich das Auto direkt gekauft. Das ist dann fast immer ein Kombi mit Schlafmoeglichkeit und kostet meist zwischen 2.000 und 3.000 $. Wenn man es geschickt anstellt (beispielsweise den nicht so frequentierten Weg von Sueden nach Norden nimmt und sein Auto dann in Auckland wieder verkauft) kann man durchaus noch was dabei verdienen. Andererseits ist trampen hier ebenfalls sehr beliebt; Neuseeland gilt diesbezueglich als eines der sichersen Laender der Welt. Ich habe einige Tramper getroffen und zwei mitgenommen, die mitgeteilten Erfahrungen waren drchweg positiv. Und zu guter letzt bietet Neuseeland einen der weltweit besten Standards was Hostels angeht. Mal ist Fruehstueck inklusive, mal ein Jacuzzi im Innenhof - die Dorms sind meist in ueberschaubarer Groesse und die Hostels grundsaetzlich gut ausgestattet. Man zahlt fuer ein Dorm durchschnittlich zwischen 20 und 30 $. Bei laengerem Aufenthalt lohnt die Mitgliedschaft bei YHA oder BBH.

Mir hats auf alle Faelle mehr als gefallen – bisher ist Neusseland insgesamt betrachtet wohl mein Liblingsland. Dennoch freu ich mich auch auf Australien, obgleich ich bereits etwas muede von den ganzen Eindruecken bin. Aber an einer Stelle verweilen ist ja einfach nicht so meins, also: weiter gehts!

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